Neuaubinger Volksbühne e.V. gegr. 1949 Aubing-Neuaubinger Zeitung                                                                                          Freitag 09.12.2011 Der ganz normale Wahnsinn Neuaubinger Volksbühne mit dem Einmaleins des guten TonsNeuaubing - Das letzte Wochenende im November bedeutete jedes Jahr für die Freunde der Neuaubinger Volksbühne Abschied von den Laienschauspielern zu nehmen, denn dann endet die jährliche Theaterzeit. Mit „Bloß koan Schnaps" einer Komödie in drei Akten von Heidi Hillreiner bot der Verein allerdings noch einmal ein echtes Schmankerl. Günter Buchner hatte zwar bei seiner Begrüßung von Überlänge gesprochen, aufgefallen war das am Ende aber niemanden. Kurzweilig fegten die Darsteller drei Stunden so rasant über die Bühne, dass die Besucher die Zeit längst vergessen hatten, als sich der Vorhang um 23 Uhr für das laufende Jahr zum letzten Mal schloss. Unter der Regie von Manuela Luis und Thomas Duveneck war dieses Lustspiel einstudiert worden, in dem die Theaterbesucher auf den Hof des Moserbauern entführt werden. Heidi Duveneck als keifende, sich fortwährend mit ihrem Schwiegervater (Sigi Ahollinger) streitende Bäuerin Vroni, ist mit dem Lebenswandel ihres Gatten Loisl (Thomas Duveneck) nicht gerade zufrieden. Immer wieder gibt sich der Hausherr dem Alkohol hin. Als er ihr jedoch einen Lottoschein mit sechs Richtigen präsentiert, wandelt sich das Blatt. Vroni blüht richtig auf und plant auch die Zukunft ihrer Tochter Evi (Anja Kleitner). Der schneidige Flori (Sebastian Böhm) ist plötzlich nicht mehr gut genug für sie. Ein "Galliger" muss her. In einem Inserat sucht ein Graf eine Braut und der muss es sein. Als Graf Gottlieb (Tobias Hille) mit seiner Mutter Gräfin Rassel (Sylvia Busch) auf dem Hof erscheint, glaubt sich Vroni am Ziel ihrer Wünsche. Bei der Kosmetikerin Traude (Tanja Schuster) hat sie sich schon einmal das Einmaleins des guten Tons besorgt, ihren Mann zum „Bitte -Danke - Sage" degradiert und auch Evi scheint dem Adelsgeschlecht ausgeliefert zu sein. Allerdings hat die gewiefte Bäuerin nicht mit dem Großvater gerechnet. Der zieht alle Register und schon bald verwandelt sich das bäuerliche Anwesen in ein Irrenhaus. Das Adelsgeschlecht, das sich eigentlich auf leichte Beute - da selber hoch verschuldet - eingestellt hatte, weiß bald nicht mehr wie ihm geschieht. Evi zeigt sich weiterhin zu ihrem Flori hingezogen, die Kosmetikerin Traude öffnet derweil dem Grafen Gottlieb die Augen über seine Mutter und dieser verliebt sich in sie. Als sich dann auch noch herausstellt, dass der Lottoschein zwar sechs Richtige aufweist, die aber nicht für die aktuelle Ziehung gültig sind, weil der Schein schon vier Wochen alt ist, zerplatzt der plötzliche Reichtum, wie eine Seifenblase. So bleibt dem Pfarrer (Günter Nagler) am Ende nur mehr das Aufgebot für eine Doppelhochzeit zu bestellen. Vroni bietet ihrem Schwiegervater einen Waffenstillstand bis zum Lebensende an, den dieser nur widerwillig annimmt. Damit kommt es letztendlich zu einem Happyend, mit dem nicht nur die Besucher zufrieden sind. Auch die Darsteller, allen voran Sigi Ahollinger, dürfen dies sein. Wie der Senior des Ensembles über die Bühne fegte, verdient höchsten Respekt. Doch auch seine Mitspieler standen ihm in Nichts nach. Sylvia Busch durchlebte glaubhaft ein wahres Wechselbad der Gefühle, Tanja Schuster angelte sich verschmitzt ihren Grafen und Sebastian Böhm bewies bei seinen kurzen Auftritten welch guter Komödiant er doch ist. Die Debütantin auf den Brettern, die die Welt bedeuten war Anja Kleitner. Sie scheint ein Naturtalent zu sein. Ganz selbstsicher füllte sie ihre Rolle aus, mal einfühlsam, mal überdreht und letztendlich total natürlich. Es war eine wahre Freude ihr zusehen zu dürfen und man darf sich schon über ein Wiedersehen mit ihr und natürlich der Volksbühne im Jahr 2012 freuen. Hinter der Bühne sorgten Anni Ahollinger und Irene Malterer als Souffleusen dafür, dass der Text passend kam. Markus Will und Günter Pergel hatten die Stube des Bauernhofs auf die Bühne gebaut. Manuela Luis, Nicole Wolf und Tanja Will kümmerten sich um das gute Aussehen der Darsteller in der Maske. Günter Pergel fungierte als Inspizient und Günter Buchner hatte wie immer die Gesamtleitung inne. Mit „Bloß koan Schnaps" zeigte die Neuaubinger Volksbühne, wie gut sie doch aufgestellt ist. Vor allem das Thema „Nachwuchssorgen" scheint für die Theatermacher des Vereins kein Problem zu sein, so wie Anja Kleitner, Sebastian Böhm und Thomas Halle ihre Rollen eindrucksvoll darstellten. Ausgestattet mit Spielwitz, Mimik, Gestik und dem Gespür für den richtigen Ton hat die Neuaubinger Volksbühne auch im Jahr 2011 ihr Publikum begeistert, was sich in den Besucherzahlen niederschlägt. So kommt es zwischenzeitlich schon mal vor, dass Besucher an der Abendkasse abgewiesen werden müssen, da der Saal restlos ausverkauft ist. Auch ein Qualitätsmerkmal, das verdeutlicht, dass sich die Laien aus Neuaubing nicht vor dem Komödienstadel verstecken brauchen. Hartmut Gerl